Google+ | Was ist das? Wer braucht das? Am Ende doch nur Facebook-Kopie?
Nach langer Abwesenheit melde ich mich wieder einmal zurueck.
Heute gibts wieder Internetzeugs. Es geht um Google+ oder Google Plus oder wie man es sonst nennen moechte.
Die erste Frage, die sich mir stellte, war, was ist das eigentlich. In den Medien und auf sonstigen Kanaelen, die mich so informieren, hiess es, ein soziales Netzwerk, sozusagen als Gegenstueck zu Facebook. Aber fangen wir etwas weiter vorne an.
Landlaeufige Meinung war ja, dass Google den Trend der Social Networks verschlafen hat und mit Orkut, was vermutlich kein Mensch kennt, nur sehr regional beschraenkten Erfolg hatte. Daher also jetzt Google+. Ein neuer Versuch.
Das erste Problem, welches gluecklicherweise recht schnell durch Simon Nickel geloest war, war das Reinkommen. Bisher kommt man nur mit Einladung rein und auch das Einladen funktioniert nur auf sehr seltsame Art, die eigentlich so nicht gemeint ist, wie ich vermute. Aber dazu vielleicht spaeter.
Einmal drinnen hat man eine im Prinzip erstmal Facebook-aehnlich aufgebaute Seite. Oben findet man “Home”, “Profile”, “Fotos” und einen Reiter namens “Kreise”. Dieser fuehrt zu einer Funktion, die grade alle ganz toll finden, die ich aber eigentlich fuer nichts wirklich neues halte. Bei Google+ teilt man die Leute, die man dort hinzufuegt in Kreise ein. Es gibt also keine “Freunde”, sondern nur Kreise. Wenn man nun einen Post verfasst, kann man auf einfachste Art und Weise auswaehlen, mit welchen Kreisen man diesen Teilen moechte.
Was ich bisher noch nicht verstanden habe ist, was genau daran jetzt so neu sein soll. Bei Facebook habe ich meine “Freunde” auch in Listen eingeordnet und wenn ich einen Status verfasse, dann kann der in der Regel auch nur von den Leuten gelesen werden, deren jeweilige Listen ich dafuer freigeschaltet habe. Praxisbeispiel waere zum Beispiel: Ich wollte letztens wissen, ob jemand in meiner Zwangsheimat Erlangen eine gute Werkstatt kennt. Warum also alle x-tausend Freunde damit belaestigen, wenn ich einfach nur die Liste “Erlangen” dafuer freigeben kann. Exakt das kann man mit Googles Kreisen auch tun. Korriegiert mich, wenn ich hier falsch liege, aber ich sehe keinen Unterschied, abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass das bei Google mit Abstand huebscher aussieht, besser animiert ist und einfacher zu finden ist. Hauptsaechlich aber wird es beworben, das ist bei Facebook meines Wissens bisher nicht. Maximal wurde es in einem der Facebook Blog Posts erwaehnt, die ein normalsterblicher ohne groesseres Interesse nicht liest.
Allgemein liegt der Schwerpunkt bei Google+ deutlich weniger auf der Selbstdarstellung wie bei Facebook oder dem Nachrichten senden, dafuer gibts es Google Mail, als auf dem teilen von Posts links, Videos und aehnlichem. Die Profilseiten bei Google+ sind erheblicher kleiner gehalten.
Desweiteren gibt es (bisher? Ich hoffe nicht!) keine Fanpages oder Seiten von Firmen. Das finde ich persoenlich sehr positiv. Auch wenn mir auf Facebook ein oder zwei Firmen “gefallen”, muss man ja eigentlich nicht freiwillig und vor allem unentgeltlich Werbung fuer irgendwen machen.
Was natuerlich nicht fehlen darf ist ein Aequivalent zum “Gefaellt mir”-Button. Dieser ist natuerlich auch bei Google+ vorhanden, nennt sich dort allerdings “+1″. Funktioniert ansonsten aber identisch. Vielleicht ist der ein oder andere einem solchen Button auch schon mal auf einer Website begegnet. Eine sehr nette Funktion ist in diesem Fall, dass man diesen Button auch findet, wenn man mit Google sucht, vorausgesetzt, man ist angemeldet. Dann erscheint dieser Button direkt neben jedem Suchergebnis und man kann von dort aus plus 1 druecken. (Fuer den Fall, das jemand schon ein anstaendiges Verb dafuer gefunden hat, moege er sich melden.)
Einen Chat gibt es natuerlich auch. Wer Google Mail benutzt kennt diesen auch schon. Da ist nichts grossartig neues dabei. Eine sehr huebsche Funktion sind allerdings die sogenannten “Hangouts”. Man kann Videounterhaltungen mit seinen Kreisen starten. Ich wuerde ueber diese Funktion mehr erzaehlen, konnte sie aber bisher nicht testen, da ich keine Webcam zur Verfuegung habe. Bisher neben dem Design das einzige Alleinstellungsmerkmal, das ich gefunden habe, wobei hier Facebook vermutlich demnaechst nachziehen wird, mit der Integration von Skype.
Als Fazit wuerde ich sagen, Google+ ist ein gelungenes Social Network, hat ein sehr schickes, toll animiertes und sehr aufgeraeumtes Design. Waere es vor Facebook dagewesen, waere es sicher Marktfuehrer und genau so unangreifbar wie Facebook. War es aber nicht. Daher wird es meiner Einschaetzung nach noch eine ganze Weile ein Nischendasein fuehren.
Es kann nicht wirklich grossartig andere Dinge als Facebook und fuer den Ottonormalverbraucher sehe ich keinen Grund da jetzt ganz dringend hinzuwechseln, insbesondere deshalb, weil halt auch noch keiner da ist. Und fuer die Menschen, die diese ganzen Spiele und Fanpages bei Facebook dringend brauchen ist das ganze sowieso nichts.
Abschliessend wuerde ich um Kommentare bitte, wie ihr das ganze findet oder um Zusendung eurer Emailadresse, falls ihr eine Einladung haben wollt.
(Als letztes noch: Ich habe meinen Blog wieder umgestellt auf herkoemmliche Kommentare, da die Facebook-Kommentarfunktion nicht mehr funktioniert hat und ich keine Lust hatte, da gross dran zu basteln. Ich vertraue einfach drauf, dass ihr keinen Mist schreibt und vielleicht einfach eure korrekte Mailadresse dort eintragt.)
Das Problem mit der Einladung ist natürlich aktuell immer noch bestehend, aber gut ist eben noch eine closed beta.
Das Verfügbarmachen der Inhalte für sehr spezielle Personenkreise finde ich sehr interessant, da man jetzt wirklich (mit etwas Achtsamkeit) Chefs, Arbeitskollegen, Freunde und Unbekannte in seiner Kontaktliste haben und trotzdem immer angemessene Inhalte für diesen Kreis publizieren kann. Das Freigeben von Statusmeldungen für einzelne Listen bei Facebook war mir als Feature so bis jetzt noch nicht bekannt, über eine Beschreibung wo genau diese Einstellung zu finden ist wäre ich sehr dankbar.
Das Verb was du suchst wird wahrscheinlich pluseinsen heissen.
Einen Chat zwischen den Mitglieder ist ja inzwischen Standard, ich persönlich hoffe nur, dass ich ihn wieder auf Miranda auslagern kann.
Den Hangout habe ich schon mal getestet, wirkt recht performant und vom Design ordentlich aufgebaut. Auch ein Youtube Export scheint mir möglich zu sein. Der Nutzen der Funktion ist mir jedoch noch nicht so ganz klar. Entweder sind meine Kreise sehr groß, dann würden sich in meinem Hangout Leute treffen, die sich nicht kennen oder sie sind so klein, dass ich mich zu einem solchen Treffen verabrede und dann gibt es dazu nun wirklich schon Konkurrenzsoftware.
Den Teil mit den Sparks habe ich mir noch nicht angeguckt, kann daher noch nicht viel dazu sagen.
Firmenprofile bei Facebook stören mich gar nicht und auch bei Google+ würden ich sie begrüssen, da viele Firmen inzwischen wirkliche aktive Kommunikation mit ihren Kunden über diese betreiben.
Fazit: Ich bin sehr zufrieden mit Google+, allerdings werde ich für einen ausuferenden Test wohl mehr Kontakte brauchen.
Erstmal “Daumen hoch” fürs wiederbeleben des Blogs
Auch wenn Google die Circles als Alleinstellungsmerkmal für G+ bewirbt, ist das was Facebook mit Listen löst nicht der entscheidende Unterschied, sondern die Art der Beziehungen. Facebook versucht mit seinen beidseitigen Freundschaften die soziale Realität nachzubilden. Google orientiert sich da eher an das Followerprinzip von Twitter und bildet damit eher die Interessen ab, als Beziehungen. Daher denke ich ebenfalls wie du, dass es Facebook nicht ablösen wird, die Zielgruppe ist eine ganz andere. Ich würde sogar behaupten, dass es gar kein Social Network ist (Twitter ist dementsprechend auch kein Social Network) sondern ein Kommunikationstool.
Firmenseiten werden übrigens kommen, find ich auch nicht dramatisch. Auf Twitter machen Firmenprofile auch Sinn, hauptsächlich aber, weil sie dort als Supportstelle betrachtet werden und nicht als Werbung. Ist halt die Frage wie Firmen Google+ sehen werden, solange da nicht die große Masse von Facebook ist denke ich, dass sie das dort wie auf Twitter handhaben werden.
Stärker würde es mich stören, wenn Applikationen/Spiele in die Plattform eingebaut werden. Ich fände das ziemlich absurd, da das Konzept von G+ vorsieht, dass alle möglichen Dinge des Webs integriert werden können (über den +1 Button z.B.) und Googles Infrastruktur auch sehr stark auf die Verteilung beruht. Bei Facebook macht das Sinn, Facebook ist eine einzelne Plattform, die versucht alles aufzusaugen.
Hangout finde ich tatsächlich ziemlich cool, man mag zwar denken, dass Skype und Co doch gleiches machen. Der Unterschied, neben der Möglichkeit mit bis zu 10 Leuten zu hangouten, ist aber, dass man niemanden direkt anruft. Man startet einfach einen Hangout, gibt ihn beliebig vielen Leuten frei und die können hinzukommen, wenn sie Lust haben. Ich find das genial. (Außerdem kann man damit gemeinsam Youtube angucken.)
Die Sache mit den Kreisen ist die: Bei Facebook kann man natürlich exakt das selbe machen, sogar noch etwas detaillierter. Man kann sogar jeden einzelnen Post an bestimmte Listen verteilen. Soweit so gut. Nur bei Facebook macht oder kennt das keiner, weil es so verdammt kompliziert ist und nicht gerade prominent gefeatured wird. Bei G+ wird man geradezu genötigt sich bei jedem neuen Beitrag kurz zu überlegen an wen man das schicken will, die Bedienung ist allerdings verdammt simpel, stört also nicht.
Und das ist durchaus ein großer Unterschied. Nicht WAS, sondern WIE.
Ich finde einfach, dass die gute Bedienbarkeit ein deutliches Plus (
) für Google im Gegensatz zu Facebook bietet.
Ich hoffe, dass Google Werbung und Games später nicht so penetrant darstellt, wie Facebook das zZt tut.